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Erfah­rungs­be­richt eines AuPair Mädchens

Jan 28, 2026 | Erfahrungsberichte

von Anna Koleja­kova, 25. Juni 2001 (nach Überset­zung von Hana Barto­sa­kova)

Ich heiße Anna und bin 19 Jahre alt. Ich komme aus der Slowakei und werde ab September hier in Deutsch­land als Au Pair Mädchen arbeiten.

Nun hat mich die Gastfa­milie für eine Woche im Juni zu sich nach München einge­laden.
Ich habe erst nach meiner Ankunft erfahren, dass der kleine Sohn der Familie – Patrick (4 ½ Jahre) auf den ich aufpassen soll, das Down-Syndrom hat. Ich war erschro­cken, weil ich bis jetzt nicht wusste, was das alles bedeutet. Ich habe noch kein Kind mit DS kennen­ge­lernt und ich wusste erst nicht, wie ich mich benehmen soll. Später sagte mir die Mutter, sie hat es mir deshalb nicht vorher schon gesagt, damit ich ganz unvor­ein­ge­nommen zu der Familie komme und Patrick erst mal kennen­lerne und mich dann entscheide.

Jetzt bin ich schon 7 Tage hier und ich weiß, dass der Umgang mit einem Kind mit DS nicht so sehr anders ist. Man braucht nur ein bisschen mehr Liebe und Geduld, weil die Kinder nicht so schnell lernen können.
Meine Gastfa­milie hat mich auch gleich mit zu Patricks Sommer­fest (vom Down-Kind e.V. München, Anm. der Red.) einge­laden. Das war im Garten eines Kinder­gar­tens und dort waren viele Familien mit ihren Down-Kindern und deren Geschwister. Ich kann sagen, dass wenn ich nicht auf ihr Alter und Gesicht achte, sind sie ganz normale Kinder, wie andere auch, Sie benehmen sich und fühlen wie die anderen Kinder.
Patrick spricht noch nicht, aber auf seinem Gesicht sieht man, was er alles sagen will. Auf diesem Fest war ein großes Bassin und viele Kinder badeten dort. Da kam zu mir ein kleiner Junge. Mit seinen Augen hat er mir gesagt, dass er auch ins Wasser will und dass ich ihm beim Ausziehen helfen soll! Er war älter als Patrick, aber an seinem Lächeln sah ich die gleiche Dankbar­keit.

Bei uns in der Slowakei leben die Kinder mit Down-Syndrom meistens in spezi­ellen Anstalten für behin­derte Kinder und werden dort von ihren Eltern nur besucht. Wenn ich ein Kind mit DS haben sollte, würde ich nach dieser Erfah­rung nie zulassen, dass es in so einer Anstalt leben sollte. Ich würde es genauso sehr lieben und erziehen wie es Patricks Mama macht.
Meine Gastfa­milie hat noch eine nicht behin­derte ältere Tochter und in sie verliebte ich mich genauso sehr, ohne Unter­schied.
Und meine Gefühle? Ich habe keine Angst, ich fühle mich wohl mit dem Patrick und freue mich auf die Zeit mit ihm und seiner Familie.

Anna Koleja­kova, 25. Juni 2001 (nach Überset­zung von Hana Barto­sa­kova)